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Mit Blick zurück nach vorn
Für die Häffner-Gruppe sind M&A auch trotz weltweiter Krisenstimmung kein Fremdwort
Die Hugo-Häffner-Gruppe bildet das Dach für zwölf Partnerunternehmen, die sich ergänzen und es den Kunden erlauben, nahezu den gesamten Chemikalienbedarf über nur einen Handelspartner zu beziehen. Im Produktprogramm stehen weit über 20.000 chemische Substanzen und Artikel. Von Grund- und Spezialchemikalien über Zwischenprodukte bis hin zu Laborbedarf und -ausstattung. Neugründungen bzw. Mergers & Akquisitions und nicht zuletzt eine europaweite Neuausrichtung sind die derzeit vorherrschenden Themen. Dr. Birgit Megges befragte Derk Proff, Geschäftsführer der Häffner Holding, zu diesen Themen.
CHEManager: Sehr geehrter Herr Proff, wie ist Ihr Unternehmensverbund mit zwölf Partnerunternehmen aufgestellt?
D. Proff: Unsere Unternehmensgruppe besteht heute aus sechs deutschen – selbstständig im Markt agierenden – Gesellschaften sowie sechs weiteren Auslandsgesellschaften in Zentraleuropa, das heißt in der Schweiz, in Österreich, in Frankreich, in den Benelux-Ländern, in Tschechien und in der Slowakei, und ist im Wesentlichen dezentral aufgestellt. Die Aufgabenbereiche Personal, Recht, Finanzen/Controlling, M+A sowie die strategische Positionierung der Gruppe werden zentral durch unsere Holding mit Sitz in Asperg abgedeckt. Bei der internationalen Beschaffung sind wir durch unseren Standort in Hamburg weltweit mit eigenen Vertretungen in den wichtigen Regionen Asien, GUS sowie Lateinamerika direkt vertreten und haben hier mit einem Importanteil von ca. 20 % ein wichtiges Standbein aufgebaut.
In welchen Bereichen liegen die Kernkompetenzen des Verbundes?
D. Proff: Jede Gesellschaft innerhalb unserer Gruppe agiert mit einem eigenen Produktportfolio selbstständig in den jeweils eigenen Märkten, und dieser enge Bezug zur jeweiligen Region garantiert unseren Lieferanten die Nähe zum Kunden. Gerade durch diese Nähe zum Kunden sind wir sowie unsere Lieferanten in der Lage, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Des Weiteren werden Dienstleistungen wie z. B. ein qualifiziertes eigenes Labor zur Unterstützung der Qualitätssicherung beim Kunden erst durch diesen Verbund möglich.
Warum haben Sie sich für ein Konzept mit so vielen Tochterfirmen entschieden? Warum kam es nicht zur Zusammenführung der einzelnen Unternehmen unter einem Namen?
D. Proff: Unsere Unternehmensgruppe ist seit mehr als 105 Jahren ein regional tätiges Familienunternehmen, und unser Stammsitz in Asperg ist bekannt als „Säure Häffner". In den 90er Jahren haben wir dann durch Akquisitionen mit dem regionalen Ausbau des Geschäftes in Deutschland begonnen, und alle bis heute erworbenen Unternehmen zeichnen sich durch eine sehr starke eigene Identität aus, welche in unserer Philosophie einen sehr markanten Unternehmenswert darstellt. Bei dem Ausbau unserer Aktivitäten innerhalb Europas haben wir dann in 2008 zum ersten Mal mit der Neugründung von Landesgesellschaften in der Schweiz und Benelux sowie in diesem Jahr in Österreich die Marke „Häffner" verwendet.
Ist das Thema Mergers & Akquisitions weiterhin aktuell?
D. Proff: Im Gegensatz zu den zahlreich fremdfinanzierten Kapitalgesellschaften in unserer Branche sind wir als Familienunternehmen nicht auf Umsatzzuwachs angewiesen. Die Entscheidung für einen Unternehmenskauf liegt vielmehr in der Nachhaltigkeit der Investition und wird in Art und Umfang durch Eigenmittel finanziert. Es wird auch in den nächsten Jahren weitere Bemühungen geben, in der für uns als Kernmarkt definierten Region Zentraleuropa, durch Unternehmenskäufe oder Neugründungen derzeit noch bestehende Lücken zu schließen.
Wie schätzen Sie die Marktentwicklung für Ihre Produkte in Ihrem Aktionsradius ein?
D. Proff: Die Region Baden-Württemberg ist mit Ihrer starken Ausrichtung hin zur Automobilindustrie sowie den dazugehörigen Zulieferern in besonderem Maße von dem wirtschaftlichen Abschwung getroffen. Die Prognosen für die kommenden Monate sind für die gesamte Wirtschaft nicht gut, und es wird für alle am Wirtschaftskreislauf Beteiligten nicht leicht sein. In den restlichen Regionen sind wir vornehmlich in der Distribution von Spezialitäten tätig, und mit einem Anteil von 70 % am Gesamtumsatz von 135 Mio. € ist unsere Unternehmensgruppe bisher nicht allzu stark vom konjunkturellen Abschwung betroffen. Durch die breite Produktpalette innerhalb aller Gesellschaften sind wir in nahezu allen Industrien vertreten, was sich in einer Phase des konjunkturellen Abschwungs als sehr hilfreich erweist. Wir sind davon überzeugt, dass wir als innovativer und leistungsstarker Partner die kommende Zeit meistern und im Wettbewerb eher stärker aus einer eventuellen Rezession herauskommen werden.
Welchen Einfluss haben neue Gesetzesregelungen wie REACh auf Ihr Geschäft?
D. Proff: Grundsätzlich sind neue Gesetzgebungen wie z. B. REACh in ihrem Ansatz hilfreich, das Gefahrenpotential aus der Produktion und dem Handel mit chemischen Produkten zu erkennen und einzustufen. Aber zunächst führt dies zu Kostensteigerungen bei allen in der Wirtschaftskette Beteiligten, welche am Ende durch den Verbraucher getragen werden müssen. Hinsichtlich REACh haben wir uns zentral in der Holding positioniert und dort eine eigene Abteilung aufgebaut, welche gewährleistet, dass wir allen Anforderungen in den entsprechenden Zeitachsen gerecht werden. In den letzten Wochen hat sich jedoch gezeigt, dass wir als Distributeur nur in der Informationskette weitere Aufgaben zu erfüllen haben. Alle unsere europäischen Lieferanten haben die Vorregistrierung vorgenommen, sodass nur unsere Importe durch eine eigene Vorregistrierung abgedeckt werden mussten.
Geben Sie eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ab. Sehen Sie Auswirkungen der Finanzkrise?
D. Proff: Es gibt keine Auswirkungen der Krise am Kapitalmarkt auf unsere Unternehmensgruppe hinsichtlich der Finanzierung des Geschäftes sowie des Ausbaus durch Akquisitionen, da dies stets durch Eigenmittel finanziert wurde. Im Gegenteil sehen wir weitere Chancen im Ausbau unseres Geschäftes durch das stark gestiegene Interesse europäischer Produzenten am Unternehmenskonzept breit aufgestellter Familienunternehmen in der Distribution.
Welches Nahziel haben Sie momentan im Blick?
D. Proff: Als Nahziel definieren wir eine Zeitachse von zwei Jahren, und da hat der Ausbau unseres Geschäftes in den Auslandsgesellschaften die erste Priorität. Des Weiteren wird die Erweiterung unserer Produktion am Stammsitz in Asperg durch erhöhte Investitionen in den nächsten zwei Jahren vorangetrieben.
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